Libretto: La vida breve

from Manuel de Falla


Das kurze Leben


Personen:
PACO (Tenor)
SARVAOR, Onkel von Salud (Bariton oder Bass)
MANUEL, Carmelas Bruder (Bariton)
SALUD, Zigeunermädchen (Sopran)
GROSSMUTTER Saluds, (Mezzosopran)
CARMELA, Pacos Braut (Mezzosopran)
SÄNGER (Bariton)
STIMME EINES SCHMIEDS (Tenor)
STIMME EINES VERKÄUFERS (Tenor)
STIMME AUS DER FERNE (Tenor)
VIER VERKÄUFERINNEN (3 Sopran, 1 Mezzosopran)

CHOR
Männer und Frauen aus Granada

ERSTER AKT

ERSTES BILD
Hof eines Zigeunerhauses im Albaicin (Granada). Ein breites Tor im Hintergrund mit Ausblick auf eine kleine freundliche Gasse. Zur rechten das Wohnhaus, zur linken der Eingang zu einer Schmiede, die von rotem Feuerschein erhellt ist. Es ist Tag und ein schöner Tag.

Die Grossmutter, allein auf der Bühne, ist damit beschäftigt, ihre Vögel zu füttern.

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Hämmern ohne Ende,
Das ist unser Los!

EINE STIMME IN DER SCHMIEDE
Wie der Stahl ist meine Liebe;
Sie erhärtet in der Kälte,
Und sie dehnt sich aus im Feuer.

GROSSMUTTER
mit einem Vogelkäfig, den sie aufhängt
Dieses arme, kleine Vöglein,
Es sehnt sich tot.
Armes Tier!
's wird dem armen Vöglein gehen
Ganz wie meiner Salucilla
aus Liebesweh!
Ach, die Liebe!

EINE STIMME IN DER SCHMIEDE
Ach, wehe über den Armen,
Dem Unheil die Sterne künden!
Als Amboss ward er geboren
Und nicht als Hammer, wehe!

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Als Amboss ward er geboren
Und nicht als Hammer, wehe!

Man hört Stimmen in der Ferne

VERKÄUFER
Kauft Nelken und Rosen!

VERKÄUFERINNEN
Kauft Feigen aus Grana!
Erdbeeren! Kauft meine Körbe!

Auf der Strasse geht eine Schar junger Mädchen mit übermütigem Lärm und fröhlichem Gelächter vorbei

GROSSMUTTER
traurig
Ihr lacht bis zum Tag,
Wo ihr Tränen vergiesst!

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Hämmern ohne Ende,
Das ist unser Los.
Das Glück ist nur für die Einen,
Das Elend nur für die Andern,
Immer schmieden unser Los.

SALUD
kommt verzweifelt von der Strasse
Ach, Grossmutter, noch niemand!

GROSSMUTTER
Du Törin, er kommt!
So nimm doch Vernunft an!
Du erregst dich für nichts.
gibt ihren Worten einen Ton von Überzeugung
Schön und vornehm ist dein Verlobter
Und meint es ernst.
Weisst du doch selber,
Wie er dich liebt!
Nichts kann ihn fesseln,
Einzig der Zauber
Deiner Augen.
Du kannst getrost immer auf ihn bau'n.
Du weisst das alles ja selbst viel besser,
Warum also immerzu seinethalb weinen?

SALUD
Eben deswegen!

GROSSMUTTER
Liebling, ich warn dich:
Es ist gefährlich zu lieben wie du!

SALUD
Hab' im Herzen zwei Lieben:
Die von Paco und deine.
Ach! niemals, Grossmutter, niemals
Darf ich nur eine verlieren.

GROSSMUTTER
Welch ein Kind bist du!

SALUD
mit tiefer Müdigkeit
Geh du doch hinaus,
Und schau hin zum Platze …
Denn mir fehlen die Kräfte …

GROSSMUTTER
Und du warst doch früher
Nur Lachen und Freude!

SALUD
Wem er sich nur verspätet,
Fühle ich mich verloren.
Geh, Grossmutter!

GROSSMUTTER
Welcher Schmerz!
Lach doch, Liebling!

SALUD
Werde lachen,
Wenn er kommt.

Die Grossmutter geht mit einer Gebärde des Mitleids

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Hämmern ohne Ende,
Das ist unser Los!
Das Glück ist nur für die Einen,
Das Elend nur für die Andern,
Immer schmieden unser Los!

SALUD
die sich an dem Tor angelehnt hatte, kehrt zurück
Glücklich die, die lachen,
Elend die, die weinen!
Das Leben des Armen,
Das reich an Tränen,
Kann nicht lange währen!

Ach, selbst meine Lieder
Sind heute so traurig!
Jenes Lied der Mutter,
Das oft sie gesungen,
Wie war's doch so weise:

Eine Blume, morgens geboren,
Sie stirbt, wenn der Tag erstirbt.
Glücklich sind sie doch, die Blumen!
Sie wissen kaum,
Welch grosses Unglück es ist zu leben!

Ein Vögelein, arm und einsam,
Flog einst vor meine Türe,
Es kam und fiel tot zur Erde.
Ach, ein einsames Leben,
Tausendmal lieber tot!
War in seiner Lieb betrogen,
Und so starb es daran.
Bei verratener Liebe
Hilft nur allein der Tod,
Der uns von allem erlöst!

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Ach, wehe über den Armen,
Dem Unheil die Sterne künden!
Als Amboss ward er geboren
Und nicht als Hammer, wehe!

SALUD
Glücklich die, die lachen;
Elend die, die weinen!
Das Leben des Armen,
Das reich ist an Tränen,
Kann nicht lange währen.

GROSSMUTTER
Salud!

SALUD
erregt
Was? So sprich doch!
Ist er draussen?

GROSSMUTTER
Ja!

SALUD
Ah, so sei gesegnet!

GROSSMUTTER
Sieh' dort, er kommt!
geht ab

SALUD
Welche Freude!
Heil'ge Jungfrau!
Ja, wie war ich doch so töricht!
War er fort,
Glaubt' ich aus Sehnsucht schon zu sterben,
Und seh' jetzt mich unterliegen
Meiner Freude.
Welche Freude!

Paco tritt auf

SALUD
Paco! Paco!

PACO
O Salud!

SALUD
Ah, du mein Paco.

PACO
ergreift ihre Hände
Meine Liebste!

SALUD
Wie?

PACO
So herrlich!

SALUD
Sprich doch.

PACO
Du!

SALUD
Ach, ich glaubte, du kämst gar nicht mehr!
Welche Angst hab ich ausgestanden!

PACO
Es ist doch erst sieben.
Später nicht
Als die übrigen Tage.

SALUD
Welche Seligkeit
Dich hier zu haben!
Deine Hände halten die meinen,
Deine Augen, sie sprechen zu mir!
Hätt' ich Arme doch mehrere Leben,
Um sie alle zu leben mit dir!

PACO
O Salud!

SALUD
Wie beschreib ich diese Seligkeit,
Ewig und ganz mein
Dich zu wissen
Und dich sprechen zu hören!
Ach, ich fühl ein Verlangen
Wie zum Tanzen und Lachen.

PACO
Liebes Herz,
Liebes Wesen!

SALUD
Sprich doch, sprich doch zu mir!

PACO
Liebste!

SALUD
Sprich doch!
Sag mir, Paco,
Ist es wahr,
Dass du niemals mich vergisst,
Deine Salucilla?

PACO
Ich? Welcher Einfall!

SALUD
Du! ...

PACO
Nein, nie!
Für dich halt' ich fern mich
Von allen Vergnügen,
Nur du bist es, Liebste,
Die ich liebe.
Das Licht und das Leben
Sind mir deine Augen;
Den süssesten Honig
Trägst du auf den Lippen.

SALUD
Fern dir fühl ich Trauer
Und Grau'n mich umgeben,
Und wieder bei dir,
Ist's hell und strahlend!
Nur dir gilt mein Sehnen, o Paco!
Die Seele fliegt zitternd -
Im Kusse auf meine Lippen!
Paco! Ewig, ewig dein!

PACO
Du Geliebte, ewig dein!

GROSSMUTTER
kommt aus dem Hause und betrachtet die beiden
Welch Glück, sie zu sehen!

ARBEITER IN DER SCHMIEDE
Hämmern ohne Ende,
Das ist unser Los.

Während des Gesanges in der Schmiede sieht man von der Strasse den Onkel Sarvaor kommen:
einen alten Zigeuner von wildem Aussehen, mit gerunzelter Stirn. Salud und Paco scheinen allem entrückt.


GROSSMUTTER
hat den Onkel Sarvaor erblickt und hält ihn zurück
Wo willst du hin?

ONKEL SARVAOR
Ihn erschlagen!

GROSSMUTTER
Was sagst du da?

ONKEL SARVAOR
Bin ich doch mal dein Bruder!
Denn morgen schon heiratet er
Ein junges Mädchen seines Standes,
Sie ist vornehm, von schönem Äussern
Und noch grösserm Reichtum!
Lass mich, ich muss ihn töten!

GROSSMUTTER
Nein, bei Gott!
Zu viel Jammer
Für uns Arme!
Komme mit mir, sei ruhig!
Erzähle mir zuerst! ...
Arme Betrog'ne!

Sie gehen unbemerkt in die Schmiede und beobachten Salud und Paco

EINE STIMME IN DER SCHMIEDE
Ach, wehe über den Armen,
Dem Unheil die Sterne künden.
Als Amboss ward er geboren
Und nicht als Hammer, wehe.
Hämmern ohne Ende,
Das ist unser Los.

PACO
Komme morgen! Ich warte,
Und sterben sollst du nur in meinen Armen!
Meine Liebste! Ewig dein!

PACO, SALUD
Ewig dein!

Es wird plötzlich dunkel

EINE STIMME
sehr entfernt
Hämmern ohne Ende!

ZWEITES BILD

Zwischenspiel

Panorama von Granada vom Sacromonte aus. Langsam senkt sich die Dämmerung herab

ZWEITER AKT

ERSTES BILD
Eine kleine Strasse in Granada. Giebelseite des Hauses von Carmela und ihrem Bruder Manuel.
Durch die grossen offenen Fenster erblickt man den Innenhof und das glänzende Bild eines sehr vergnügten Festes.
Man feiert die Hochzeit von Paco und Carmela.Gitarrenspieler und Sänger. Tänzerinnen.


In dem Hause

DIE FESTGÄSTE
Olé! Olé ya!

SÄNGER
Ay! Ich singe die Solearen
Für Carmeliya und Paco,
zum Gedächtnis ihrer Eltern!

DIE GÄSTE
Hoch der Bräutigam, hoch!
Und die liebliche Braut!
Olé! Vivat Carmela!
Vivat Paco zugleich!
Singe, Niño!
Singe, Pepe!

SÄNGER
Höret an! Ay!
Wie Sterne sind deine Augen!
Ihr Glanz durchstrahlet die Wolken
Heller als alle Gestirne!

GÄSTE
Auf, auf Mädchen, auf zum Tanz!

Tanz

SALUD
erscheint kurz vor dem Ende des Tanzes, läuft an eines der Fenster und schaut mit ängstlicher Erregung in den Innenhof
.
Er ist da!
Er redet mit dieser Frau!
Ist geschieden
Für immer von mir!
Sie die Seine!
Er der Ihre!
Ach, Allmächt'ger!
Heil'ge Jungfrau!
Ach, ich bin nahe dem Tode!

Sie geht wieder zu dem Fenster, entschlossen zu rufen, doch hält sie sich noch zurück.

Paco! Paco!
Nein! ... Nein! ... Nein!
Welche Schwere!
Welches Weh!
Mein Herz fliegt zum Zerbrechen,
Plötzlich stockt es und hört auf
Zu rasen wie ein kleiner Narr!
Verräter! Was denn tat ich ihm,
Dass er mich so tötet,
Dass er mich so martert
Ohn' jedwede Ursach?
Ohn' Sinn und Vernunft? …
Alle täuschten mich:
Er aus Schuld und Lüge,
Und aus Mitleid die Meinen!
Will man weiter lügen,
Mich im Dunkel lassen?
Allmächtiger!
Ich fühle meinen Tod!
Wozu denn geboren,
Wenn nun dies das End?
Wie das arme kleine Vöglein…
Wie eine Blume verwelkt,
Die sich erst eben erschloss!
Nein, nein!
Statt so schwer zu leiden,
Tausendmal lieber tot!

SÄNGER
Welcher Glanz und welche Menschen!
Ah! Wie zärtlich blickt der Bräut'gam,
Betrachtet er sein Bräutchen.

ALLE
Olé!

SALUD
mit plötzlichem Entschluss
Nein!
Er muss hier mich sehen!
Ah! Mit dem Spiel ist es aus!
Er sterbe oder töte mich
Oder töte uns zwei!
Verräter!

Die Grossmutter und der Onkel Sarvaor kommen hinzu

ONKEL SARVAOR
Nun, was sagt' ich?
Du siehst?

GROSSMUTTER, ONKEL SARVAOR
schaudernd
O Gott!

SALUD
erblickt die Grossmutter und den Onkel und sinkt der Alten in die Arme
Ach, Grossmutter!

GROSSMUTTER
schliesst sie in ihre Arme
Salud! Wein in meinen Armen!
Mein Liebling!

ONKEL SARVAOR
O Gott! Du weisst alles!
beiseite
Arme Salud!
Meine arme Kleine!
Verflucht sei sein Leben!
Verflucht seine Seele!
Verflucht sei sein Schicksal!
Verflucht seine Mutter!
Verflucht sei sein Leben!
Verflucht sei das Blut seiner Rasse!
Verflucht seine Mutter!

SALUD
Du siehst, meine Ahnung!
Warum diese Lügen?
Du siehst, welcher Undank!
Verlässt mich von heute auf morgen,
Wirft mich auf die Strasse!
Er dachte wahrscheinlich:
Geh' ich von ihr, so stirbt sie;
Frei dann bin ich und ledig der Pflichten!
Die Rechnung ist richtig!
Sein Plan führt zum Ziele!
Was soll ich noch leben?
Ich sterbe aus Kummer! Verräter!

GROSSMUTTER
Er wollte uns stets
Seine Herkunft verschleiern
Und dachte, mit Gold die Ehre zu kaufen.
Verflucht, ja, verflucht
Sei das Blut seiner Rasse!
Verflucht seine Mutter!

GÄSTE
im Hause
Olé! Auf, auf Mädchen!
Singe, Pepe!
Voran, Mädchen!
Auf zum Tanz!

lautes Durcheinander

SALUD
Hört doch, das Lachen!

GROSSMUTTER
Liebling, o schweig!

ONKEL SARVAOR
Lasst uns hineingehen.

GROSSMUTTER
erschrocken
Nein, Sarvaor, verweile!

SALUD
glaubt Pacos Stimme aus dem Lärm berauszuhören
O Gott, Allmächt'ger!
Er ist's! Er spricht!

GROSSMUTTER
zu Salud
Komm' doch!

SALUD
Verruchte Stimme!
Ich will, dass er nun auch
Die meine höre!

GROSSMUTTER
Mein Liebstes!

SALUD
innig
Schweige!
sie singt vor einem Fenster
Ach, wehe über den Armen,
Dem Unheil die Sterne künden!
Der Lärm des Festes im Hause lässt nach, als ob man dem Gesange Saluds lausche
Als Amboss ward er geboren
Und nicht als Hammer, wehe!
zärtlich
Du weinst ja, Grossmutter!

GROSSMUTTER
zum Onkel Sarvaor
Ich geh nicht!

ONKEL SARVAOR
Ich, ja!

SALUD
Durch alle Fenster
Soll er mich hören!
zieht die Grossmutter und den Onkel Sarvaor zu einem anderen Fenster
Ach, so lass sie jetzt in Frieden!
Geh nicht mehr zum Albaicin!
Sie ist tot! Selbst die Steine
Erhöben sich gegen dich.

CARMELA
erschrocken
Was hast du, Paco?
Wie bist zu bleich!

PACO
's ist nichts! 's ist nichts!

MANUEL
's ist nichts, mein Liebes!
zu den Gästen
Kommt mit zum Tanz!

SALUD
in eine Strasse rechts deutend
da, von dort ist der Eingang!

ONKELSARVAOR
Vorwärts, gehn wir zusammen!

Der Onkel Sarvaor und Salud gehen schnell rechts ab

GROSSMUTTER
wie von Sinnen
Ich fleh' dich an, nein! Salud!
O heilige Madonna!
O Gott!
Rette mein Kind!

Die Bühne verdunkelt sich. Szenenwechsel


ZWEITES BILD
Der Innenhof des Hauses von Carmela und Manuel, wo das Fest stattfindet. Blumen, strahlende Beleuchtung. In der Mitte ein Marmorspringbrunnen. Im Hintergrund ein Gitter; rechts und links Türen. Sehr belebtes Bild; Männer und Frauen aus den wohlhabenden Kreisen des Volkes bilden malerische Gruppen. Sie sind mit Geschmack gekleidet. Röcke in auffallenden Farben, helle Kleider, Mantilla-Shawls, Blumen im Überfluss.
Carmela, Manuel und Paco sind zusammen auf der einen Seite, auf der andern der Sänger und einige junge Leute mit Gitarren. Einige Paare tanzen, von den übrigen durch Zuruf und Gebärde angespornt. Paco heuchelt Fröhlichkeit. Carmela beobachtet ihn.


PACO
Geliebtes Wesen!

CARMELA
Fühlst du dich besser?

MANUEL
O ja, du siehst doch!

PACO
Es war nur der Lärm!

MANUEL
Und all die Menschen.

PACO
beiseite
Es war ihre Stimme …

MANUEL
vornehm und schlicht, ohne sich zu erheben
Ich muss gestehen,
Ich bin so glücklich,
Dass ihr jetzt beide euch angehört.
Aus euren Augen
Spricht euer Glück,
Und ich, der Bruder,
Vielmehr der Vater von Carmela ...
zu Paco
Zugleich dein Bruder
Seit dieser Stunde,
Dank sei Gott!
Ich nehme teil an eurer Freude,
An eurem Glück!

CARMELA
Dank dir, Manolo!

MANUEL
Mir sagst du Dank?

PACO
beiseite
Warum nur nahm ich mich nicht in acht?
So von ihr fort zu gehen war falsch!
bemerkt eine Bewegung in der Nähe des Gitters
Was gibt es?

MANUEL
Wer ist es?

CARMELA
Ich weiss nicht, wer kommt.

PACO
sieht den Onkel Sarvaor und Salud nach der Mitte vorkommen
Sie ist hier!

CARMELA
zu Paco
Was heisst das?

ONKEL SARVAOR
hält die zitternde, von Schmerz überwältigte Salud an der Hand
Gott zum Gruss!

MANUEL
zu Onkel Sarvaor
He, sagt doch!
Wen sucht ihr denn hier nur bei uns?
Sagt endlich mir doch! ...

GÄSTE
Seht da, den Zigeuner,
Und seht das Mädchen!

ONKEL SARVAOR
Man tanzt hier?
Ist Hochzeit?
Auch wir wollen tanzen,
Und dann wird gesungen.

PACO
senkt erstarrt die Augen, Carmela beobachtet ihn ängstlich, beiseite
Was wollen sie nur?

MANUEL
Du tanzen, ein Greis,
Und mit diesen Beinen?

ONKEL SARVAOR
Ich tanze, ich sing' wie die Nachtigall;
Die Kleine hier singt wie ein wirklicher Fink.
Mädchen!

SALUD
macht sich vom Onkel Sarvaor los; mit Entschiedenheit
Nein! Nein! Nein! Nein!

CARMELA, MANUEL, GÄSTE
Was sagt sie?

PACO
O Himmel!

SALUD
mit schmerzlicher Erregung
Ich komm' nicht zum Gesang,
Ich komm auch nicht zum Tanz!
auf Paco weisend
Ich komm' hier zu dem Manne,
Und ich flehe ihn an, mich zu töten,
Ich erbettle den Gnadenstoss!

PACO
verrät sich
Salud!
beiseite
Ich bin verlor'n ...

CARMELA UND MANUEL
überrascht
Paco!

ONKEL SARVAOR
voller Angst
Salud!

SALUD
Er hat mich betrogen,
Hat mich verlassen,
Hat mich entehrt!
Noch erzittert bei mir in der Kammer
Der süsse Klang seiner Stimme,
Die ewige Liebe mir schwor!

PACO
Ich? Ich?

SALUD
Du! Du! Ich schwör es bei dem Kreuz,
An dem der Heiland starb!
Paco!

PACO
Sie lügt!
Jagt sie fort!

ONKEL SARVAOR
Paco! Salud!

CARMELA, MANUEL
Paco! Mein Gott!

SALUD
Das mir?
Du! Du!
Ich sterbe!
sie geht auf Paco zu; mit unsäglicher Zärtlichkeit
Paco!

Salud schwankt und sinkt tot zu Boden

ALLE
Murmeln des Entsetzens
Tot! Jesus! Jesus!

GROSSMUTTER
nähert sich allmählich, erscheint am Gitter mit dem Ausdruck einer Wahnsinnigen.
Mit einem herzzerreissenden Schrei

Salud!
Liebling!
Mein Alles,
Mein Leben.
erblickt Salud
Entsetzlich!
zu Paco, wie im Wahnsinn
Ah, Verräter!
Feigling! Judas!

ONKEL SARVAOR, GROSSMUTTER
zu Paco
Judas!