Rico Handle, Blick (24.03.2003)
Eifersucht, Gewalt und Intrigen beherrschen Amlicare Ponchiellis Oper »La Gieconda». Im Zürcher Opernhaus bleibt von der Dramatik nicht viel übrig. Premiere war am Samstag.
Der Bösewicht Barnaba liebt Gioconda, diese himmelt Enzo an, der aber Laura zugeneigt ist. Da Laura bereits verheiratet ist, nimmt die Beziehungskiste immer grössere Ausmasse an. Die Beteiligten schrecken vor keinem Mittel zurück, um als Sieger hervorzugehen. Es kommt zu Entführungen, Handgreiflichkeiten und versuchtem Mord. Am Schluss können Enzo und Laura gemeinsam fliehen, Gioconda nimmt sich das Leben.
Dem Text der einzigen Oper von Amilcare Ponchielli (1834-1886) liegt Victor Hugos Drama «Angelo, Tyrann von Padua» zugrunde. Die Tragödie spielt in Venedig und bietet eigentlich genug Stoff für einen spannenden Theaterabend. Doch Regisseur Gilbert Deflo lässt in seiner klassischen Inszenierung die Sänger kläglich allein. Jeden Gemütszustand stellen sie mit derselben pathetischen Pose dar. Ob Wut, Hilflosigkeit oder Liebeskummer, immer wirken sie mit ihren ausgebreiteten Armen, als ob ihnen gleich das Herz zerreissen würde. Dies macht das Stück kraft- und wirkungslos. Sinnbildlich für die uninspirierte Regieführung: Enzo steckt sein Schiff in Brand. Es brennt lichterloh - doch die Besatzung bleibt stehen, als ob nichts geschehen wäre.
Als Einziger bringt der italienische Dingent Nello Santi (71) Leidenschaft ins Spiel. Der Altmeister und frühere Dirigent des Radio-Symphonieorchesters Basel leitet mit gewaltiger Inbrunst das Orchester. Er lebt die Musik so stark mit, dass es dauernd wirkt, als würde er gleich selber lossingen.
Ponchiellis eingehende Musik wird überzeugend vorgetragen. Die Vorstellung ist aber durch die einfallslose Regie nicht viel mehr als ein Konzert mit Kostümen und Kulissen. Entsprechend enttäuscht reagierte das Publikum an der Premiere: Der Schlussapplaus reichte kaum für den zweiten Vorhang.