sda, St. Galler Tagblatt (25.03.2003)
Musikalisch überzeugt die Aufführung von Amilcare Ponchiellis «La Gioconda», die im Zürcher Opernhaus zur Premiere kam. Die szenische Umsetzung hingegen ist statisch und voller Brüche. Nello Santi zeigt bereits in der Ouvertüre, was er aus dem Orchester herauszuholen vermag. Sehr gesanglich spielen die Musiker die weit ausladenden Melodielinien, um sich dann und wann zu einem bombastischen Fortissimo zu steigern. Es gelingt Santi, das Geschehen voranzutreiben und grosse Bögen zu spannen. Dies ist umso nötiger, als die 1876 uraufgeführte Oper als Ganze recht uneinheitlich wirkt. Die Handlung der «Gioconda» ist reichlich verworren, die Psychologie der Figuren schlicht unglaubwürdig. Regisseur Gilbert Deflo, der in Zürich zuletzt «Rigoletto» inszeniert hat, unternimmt nichts, um die Heterogenität des Werks auszugleichen. Die Sängerinnen und Sänger liessen sich erstaunlich wenig beeindrucken. Sylvie Valayre, in Zürich bereits als Abigaille (Nabucco) gefeiert, gibt eine begeisternde Gioconda. Die Pariserin kann, bei aller Dramatik, auch ganz leise singen. Walter Fraccaros Tenor klingt bis in höchste Höhen wunderbar geschmeidig, während Juan Pons den Bösewicht Barnaba ganz schön diabolisch spielt und singt.