Zirkus rettet Hartmann

Roger Cahn, Blick (22.09.2003)

Prodaná nevesta, 20.09.2003, Zürich

Nach dem ersten Akt wurde er ausgebuht, am Schluss stand er als Sieger da. Matthias Hartmann (40), designierter Schauspielhaus-Direktor, inszeniert im Opernhaus Zürich erstmals eine Oper. Premiere war am Samstag.

Smetanas «Die verkaufte Braut» ist ein ausgeklügeltes Spiel um die an einen Stotterer verkaufte, hübsche und selbstbewusste Marenka. Die liebt natürlich einen anderen. Indem der Heiratsvermittler übertölpelt wird, bekommt Marenka doch noch den Mann, den sie liebt.

Der Schauspielregisseur Hartmann scheint der Spieloper nicht so recht zu trauen. Besonders dort, wo Smetanas Musik mit Volkstänzen die Stimmung anheizt, kneift er und führt ein ihm anscheinend vertrauteres Medium auf der Bühne ein: den Film. Das Stück scheint zu zerfallen, Bühne und Zuschauer sind überfordert.

Im zweiten und dritten Akt konzentriert sich die Regie direkter auf das Spiel der Protagonisten. Mit der grandiosen Zirkusszene im dritten Akt rettet Hartmann seine Haut. Da wird deutlich, was er mit seinen Video-Einspielungen meint: die sichtbare Gegenüberstellung von Sein und Schein. Vorne auf der Bühne werden zirzensische Gags gefilmt, hinten beklatschen die Dörfler im Kino die Illusion. Offener Szenenapplaus.

Auch bei der Personenführung - oft das Stiefkind der Oper - spürt man den Theatermann: Die Darsteller überzeugen in ihren Charakterrollen schauspielerisch und stimmlich. Einzig beim Orchester unter Peter Schneider wünschte man sich mehr böhmische Seele und weniger deutsche Gründlichkeit.

Fazit: Trotz des Fehlstarts hat Hartmann am Ende doch noch ehrenhaft einen Podestplatz beim Smetana-Opernrallye geschafft.