Ein vergessener Opern-Superstar

Reinmar Wagner, Zürcher Oberländer (08.09.2003)

Axur, Re d'Ormus, 05.09.2003, Winterthur

Saisoneröffnung des Opernhauses Zürich mit Erstaufführung von Salieris Oper «Axur, re d'Ormus» in Winterthur

Das Opernhaus Zürich hat die Saison in Winterthur mit der Erstaufführung eines Werks von Antonio Salieri eröffnet. «Axur, re d'Ormus» erweist sich als musikalisch reizvoll, die Inszenierung von Dieter Kaegi dagegen wirkt etwas aufgesetzt.

Seit das Zürcher Opernhaus nicht mehr von der Stadt, sondern vom Kanton getragen wird, findet die Saisoneröffnung traditionell am Stadttheater Winterthur mit dem dortigen Orchester statt. Mit Salieris «Axur» taten die Verantwortlichen einen guten Griff, erwies sich das Werk Salieris doch als erstaunlich hochstehend.

Salieri, der in den 1780er Jahren sowohl in Paris wie in Wien als bedeutendster Opernkomponist seiner Zeit anerkannt war, schrieb 1787 für Paris die Oper «Tarare», die zum Grosserfolg wurde. Im Jahr darauf sollte das Stück auch in Wien herauskommen, aber eine Übersetzung scheiterte, und so machte sich der Hofdichter Lorenzo da Ponte an einen neuen Text, den Salieri seinerseits praktisch neu komponierte.

Farbige Musik

Die Partitur besticht durch ihren Erfindungsreichtum, vor allem, was die Melodik betrifft. Das ist lebendige, kurzweilige, abwechslungsreiche und manchmal - vor allem in den Accompagnato- Rezitativen - erstaunlich avancierte Musik, die zu den Opern Webers oder Schuberts (der ein Schüler von Salieri war) vorausweist.

Das exotische Sujet von «Axur» findet allerdings keinen Niederschlag in der Musik. Atar, erfolgreicher Feldherr und Volksheld, möchte nichts lieber als sich mit seiner Frau Aspasia auf sein Landgut zurückziehen und sein Liebesglück geniessen. Die Idylle ist dem Herrscher Axur ein Dorn im Auge: Obwohl er Atar sein Leben verdankt, lässt er Aspasia entführen, um sie in seinen Harem zu stecken.

Atar setzt alle Hebel in Bewegung, sie zu finden, wird von Axur getäuscht und hintergangen, aber hat im Eunuchen Biscroma einen Verbündeten in unmittelbarer Umgebung des Königs, der ihm nach vielen Verwicklungen ermöglicht, nicht nur Aspasia zu finden, sondern auch den Tyrannen vom Thron zu stossen und seine Position einzunehmen.

Aufgesetzte Regie

Regisseur Dieter Kaegi wollte seinerseits keine Exotismen aufkommen lassen. Die Uniformen zitieren den Faschismus, aus dem Priester wird ein katholischer Bischof, und der Harem mutiert zu einer Art Bordell der Mussolini-Ära. Sehr neu ist das alles nicht, und somit auch mehr aufgesetzt als provozierend. Dafür bewegen sich die Sänger für Opernverhältnisse natürlich und unschematisch.

Und singen auch noch teils hervorragend: Elizabeth Rae Magnuson als Aspasia brillierte mit ihrem klaren Timbre und anrührenden Piani, der junge Amerikaner Lawrence Brownee bezauberte mit einem zwar nicht grossen, aber ungemein weichen und geschmeidigen Tenor, und Boguslaw Bidzinski zeigte als Biscroma alle Register und Farben seiner vielseitigen Stimme.

Weniger begeisternd sangen die Bässe: Viel Volumen, wenig Konturen, sowohl bei Franco Vassallo in der Titelrolle wie bei Günter Groissböck als Arteneo. Theodor Guschlbauer an der Spitze des Orchesters Musikkollegium Winterthur musizierte frisch und zügig und mit Sinn für die Farben und Effekte dieser Partitur, blieb allerdings etwas starr in den Tempi und in der Dynamik.