sda, St. Galler Tagblatt (09.09.2003)
Einen guten Griff hat das Opernhaus Zürich zur (traditionell am Theater Winterthur stattfindenden) Saisoneröffnung mit der Erstaufführung eines Werkes von Antonio Salieri getan: «Axur, re d’Ormus» erweist sich als musikalisch reizvoll, die Inszenierung von Dieter Kaegi dagegen wirkt etwas aufgesetzt. Die Partitur besticht durch ihren Erfindungsreichtum, besonders, was die Melodik betrifft. Das ist lebendige, kurweilige und manchmal - vor allem in den Accompagnato-Rezitativen - erstaunlich avancierte Musik, die auf die Opern Webers oder Schuberts (der ein Salieri-Schüler war) vorausweist.
Das exotische Sujet von «Axur» findet allerdings keinen Niederschlag in der Musik. Atar, erfolgreicher Feldherr und Volksheld, möchte nichts lieber als sich mit seiner Frau Aspasia auf sein Landgut zurückziehen und sein Liebesglück geniessen. Dem Herrscher Axur ist die Idylle ein Dorn im Auge: Obwohl er Atar sein Leben verdankt, lässt er Aspasia entführen, um sie in seinen Harem zu stecken. Exotismen will Regisseur Dieter Kaegi nicht aufkommen lassen. Die Uniformen zitieren den Faschismus, der Harem mutiert zu einer Art Bordell der Mussolini-Ära. Neu ist das nicht, somit auch mehr aufgesetzt als provozierend.
Dafür bewegen sich die Sänger für Opernverhältnisse natürlich und unschematisch. Elizabeth Rae Magnuson brilliert mit ihrem klaren Timbre, Lawrence Brownee bezaubert mit einem zwar nicht grossen, aber ungemein weichen Tenor. Weniger begeis ternd die Bässe: viel Volumen, wenig Konturen. Das Orchester des Musikkollegiums Winterthur musiziert frisch und zügig.