Die Meister der Stille

Karlheinz Pichler, Neue Vorarlberger Tageszeitung (08.07.2003)

invocation, 06.07.2003, Zürich

Viel Applaus für Beat Furrers Musiktheater "Invocation" im Zürcher Schiffbau.

Orchester, Solisten, Chor und Sprecher waren am Sonntagabend, als Beat Furrers "Invocation" im Zürcher Schiffsbau uraufgeführt wurde, sichtlich konzentriert und motiviert. Sie trugen jedenfalls viel dazu bei, dass Furrer, der selber dirigierte, nur wenig Mühe hatte, sein doch schwieriges Stück exzellent über die Bühne zu bringen. Das Premierenpublikum, das die Schiffsbauhalle bis auf den letzten Platz füllte, quittierte das Auftragswerk des Zürcher Opernhaus nach anfänglichem Verhalten letztlich auch mit viel Applaus.

Das Libretto fusst mehr oder weniger auf der Erzählung "Moderato Cantabile" von Marguerite Dumas: Die Industriellengattin Anne begleitet ihr Kind zur Klavierstunde. Die Lehrerin versucht vergeblich, dem Kind die Spielanweisung "Moderato Cantabile" nahe zu bringen. In einem nahe gelegenen Café fällt ein Schuss, dann ertönt ein Schrei. Anne mischt sich unter die Schaulustigen und sieht eine Tote und deren an sie geschmiegten Geliebten. Fortan besucht sie täglich das Café und versucht, den Hintergründen des Mordes auf die Spur zu kommen.

Innen und außen

Beat Furrer zerlegt diese Geschichte in acht Bilder. Eine Schauspielerin, Eva Grigolli, verkörpert die innere Stimme der Anne, während die Sopranistin Alexandra von der Welth den Part der äußeren einnimmt. Die stark präsente Flöte, die für Furrer als eine Art Resonanzrohr des Inneren fungiert, da sie direkt an Mund und Kehlkopf ansetzt, ist das Bindeglied zum Orchester.

Das Stück entwickelt sich überaus reduziert und leise. Einzig in der vorletzten Szene, die der Anrufung des Dyoniseus gewidmet ist, entfaltet sich der Klangkörper des Ensemble "Opera Nova" zur Gänze, wobei über weite Strecken die drei Schlagzeuger das Kommando übernehmen.

"Invocation" stellt die erste Koproduktion von Oper und Schauspielhaus Zürich dar. Christoph Marthaler, der für die szenische Regie verantwortlich zeichnet und selber als Meister der Stille und der Pausen gilt, mag hier großteils als kongenialer Partner in Erscheinung treten.

An einigen Stellen aber wartet Marthaler mit derart überraschenden Effekten auf, dass man sich wohl nicht zu unrecht fragt, ob es nicht besser wäre, so ein Stück um der Musik willen konzertant aufzuführen.

Viel Applaus gab es in Zürich für Beat Furrers Uraufführung "Invocation" - was ja bei moderner E-Musik nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.