Lilith Frey, Blick (00.00.0000)
«Les Indes galantes» (1735) hatte am Sonntag Premiere, eine Schweizer Erstaufführung. Es wird getanzt, gesungen, musiziert. Heimlicher Mittelpunkt war der Dirigent William Christie.
Der Gelehrte mit der grossen Brille und den weissgrauen Haaren gilt als Koryphäe der Barock-Musik. Er ist Amerikaner und lebt in Paris. Der französische Komponist Jean-Philippe Rameau (1683 - 1764) gilt als Bindeglied zwischen dem schweren Barock und dem leichten Rokoko.
Wer dem Orchestergraben nahe genug sitzt, erlebt Christie als Besessenen, als Verrückten, als einen Rameau-Verliebten. Immer ein Lächeln um die Lippen. Wenn die Sänger singen, singt er mit. Das Orchester führt er mit der Leichtigkeit des Kenners und der Zärtlichkeit des Liebenden. Seine Handbewegungen erinnern an die Eleganz höfischen Tanzes. Nach knapp vier Stunden «Les Indes galantes» schien Christie jedenfalls jünger als zuvor.
Der Premieren-Applaus war mächtig. Natürlich galt er auch den Sängern, den Tänzern und dem Ballettdirektor Heinz Spoerli, der Regie führte und die Choreografie besorgte.
Die Inszenierung mag gefallen oder nicht, sie ist auf ihre Art ein Kunstwerk. Vielleicht ein bisschen aus der Mode gekommen. Als Museumsschau lässt sie sich bestaunen. Ob es an den kunterbunten Kostümen liegt, an der opulenten Bühnendekoration oder an der Kombination. Der Gesamteindruck ist mehr Barock als Rokoko.
Rameaus Musik ist nicht einfach, für Sänger eine Herausforderung. Nicht alle haben sie bestanden, der Chor aber ist fantastisch.
Der Höhepunkt findet in «Troisieme Entrée: Les Fleurs, Fête Persane» statt, da stimmen Christoph Strehl, Gabriel Bermúdez, Liliane Nikiteanu und Isabel Rey göttergleich zusammen.