Ruth Werfel, Neue Luzerner Zeitung (00.00.0000)
Die barocke Ballettoper «Les Indes Galantes» führt in exotische Ferne. Das vierstündige Werk begeisterte am Sonntag das Publikum.
Unterhalten wollte Jean-Philippe Rameau mit heiteren Liebesgeschichten. Indien galt als Inbegriff des Exotischen. In «Les Indes Galantes» von 1735 führt er mit den gleichberechtigten Elementen Musik, Sprache, Gesang und Tanz in einem Prolog und vier Einaktern in ferne Lande. Der lange Opernabend war als betörende Ohren- und Augenweide in jeder Beziehung unterhaltsam.
Bühnenbildner Hans Schavernoch führt mit raffiniert wechselnden Prospekten in die Pariser Weltausstellung von 1900. Im Gewächshaus streiten Jugendgöttin Hebé und Kriegsgott Bellone im Prolog um ihre Vormacht. Gott Amor schwebt aus der Höhe herbei und empfiehlt salomonisch, in exotische Fernen auszuweichen. Erprobt wird dies sogleich in der Türkei. Ein kleines Barocktheater spielt «Le Turc Généreux». Pascha Osman liebt die französische Sklavin Emilie, die ihrem fernen Verlobten Valère die Treue hält. Ein Sturm spült ihn an den Strand. Weil er Osman einst das Leben gerettet hatte, verzichtet der Pascha. Die wahre Liebe triumphiert.
Tanz mischt sich in Gesang
Mit leichter Hand, mit Augenzwinkern und Witz führt Ballettdirektor Heinz Spoerli, hier erstmals als Opernregisseur, die Kurzgeschichten von gestern vor, als wären sie von heute. Zum Orchestersturm kämpfen sowohl «schwimmende» Tänzer als auch schlingernde Segelschiffe in der aufgewühlten See. Immer wieder werden Singende ins tänzerische Geschehen eingebunden, so auch der überaus stimmschöne «Ch&Mac186;ur des Arts Florissants». Die Choreografien der vielen Tänze wie auch die bezaubernden Kostüme von Jordi Roig im Stilmix von damals bis heute sind dem Charakter der jeweiligen Spielorte angepasst. In einem technischen Pavillon spielt «Les Incas du Pérou» im prächtigen Palmenhaus die persische Verkleidungsgeschichte «Les Fleurs, fête persane», in Amerika schliesslich der letzte Akt «Les sauvages», in dem der Tanz der Friedenspfeife die Versöhnung der Welten in Tanz und Spiel symbolisiert.
Barockspezialist William Christie belebt das Werk mit dem auf historischen Instrumenten spielenden Orchestra «La Scintilla» der Oper Zürich auf ungemein plastische Weise. Die meisten Sängerinnen und Sänger fügen sich ins musikalische Gesamtbild, als hätten sie nie etwas anderes als Barockes gesungen.