Synopsis: Aus einem Totenhaus

von Leos Janácek


ERSTER AKT
Früher Morgen. Die Häftlinge kommen aus den Unterkünften, waschen sich, essen, der grosse und der kleine Sträfling geraten in Streit. Ein Neuankömmling wird eingeliefert: Alexander Petrowitsch, ein politischer Häftling, dessen vornehme Erscheinung den Kommandanten reizt. Er verhängt hundert Hiebe über ihn. Die Häftlinge quälen einen Adler, den "Zaren der Wälder", der sich trotz eines gebrochenen Flügels nicht unterkriegen lässt. Dann geht es an die Arbeit; die meisten marschieren hinaus aufs Feld. Bei einer Arbeitsgruppe von Schneidern ist Skuratow zurückgeblieben; wehmütig spricht er von Moskau und beklagt sein misslungenes Leben. Dabei steigert er sich in einen wilden Tanz, bis er ohnmächtig zusammenbricht. Dann schildert Luka Kusmitsch, wie er dem Kommandanten einer Kaserne, einem Leuteschinder, das Messer an den Hals gesetzt hat und dafür fast zu Tode gepeitscht wurde. Drei Wachen bringen den halb tot geprügelten Alexander Petrowitsch.

ZWEITER AKT
Ein halbes Jahr später. Bei der Arbeit der Sträflinge am Ufer des Irtysch bietet Alexander Petrowitsch dem freundlichen Aljeja an, ihm Schreiben und Lesen beizubringen. Als Glocken das Ende der Arbeit und einen Feiertag ankündigen, entbietet ein Pope allen den Friedensgruss und segnet die Speisen und den Fluss. Beim Essen erzählt Skuratow, weshalb er hier ist: Er hat einen reichen Verwandten seiner Geliebten, mit dem man sie verheiraten wollte, niedergeschossen. Nach dem Essen spielen einige Sträflinge Theater. Zuerst "Kedril und Don Juan", die vielbelachte Geschichte von Don Juans Diener Kedril, der seines Herrn Liebchen, eine Popenfrau, kriegt, weil der Teufel Don Juan holt. Dann die Pantomime von der schönen, nach Männern verrückten Müllerin, die ein Opfer des als Brahmine verkleideten Don Juan wird. Als die Dämmerung hereinbricht, verdrückt sich der junge Sträfling mit einer Dirne ins Dunkel, springt dann aber plötzlich auf Alexander Petrowitsch und Aljeja los, die friedlich beim Tee sitzen, weil die sich wohl was Besseres zu sein dünken, und schlägt Aljeja nieder. Die Szene endet im "Totschläger!"-Geschrei der Häftlinge.

DRITTER AKT
Auf der Krankenstation pflegen Alexander Petrowitsch und Tschekunow den fiebernden Aljeja, der sich daran begeistert, schreiben und lesen zu können, zum Beispiel das schöne Wort, dass man seine Feinde lieben solle. Neben ihm liegt Luka Kusmitsch im Sterben, und im Hintergrund ist Schapkin zu hören, der einigen Mitgefangenen erzählt, wie ihm ein Polizist beim Verhör fast ein Ohr abgerissen hätte. Dazwischen schreit der wahnsinnig gewordene Skuratow nach Luise, seiner Geliebten, und der alte Sträfling wimmert nach seinen Kindern. Schischkow vertraut Tscherewin die lange Geschichte seiner unglücklichen Liebe zu der reichen Gutsbesitzerstochter Akulina an, die er selbst dann noch geheiratet hat, als sie von einem gewissen Filka Morosow entehrt worden war. Aber als sie ihm sagte, sie liebe Filka dennoch, erdolchte er sie. In diesem Augenblick stirbt Luka. Die Gefangenen scharen sich um ihn - und Schischkow erkennt in ihm seinen Rivalen Filka Morosow! Während die Leiche fortgebracht wird, holt man Alexander Petrowitsch. In Gegenwart aller Sträflinge bittet der halbbetrunkene Kommandant ihn um Entschuldigung für die Peitschenhiebe und teilt ihm seine Freilassung mit. Aljeja nimmt von Alexander Petrowitsch Abschied wie von einem Vater. Die Männer lassen den Adler, dessen Flügel wieder geheilt sind, frei. Auch für den Vogel ist der Tag der Freiheit gekommen, den alle ersehnen.