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Interpretation



Il était une fois à la cour d'Eisenach

Chanson des Hoffmann mit Chor (Nr. 5).
Hoffmann singt seinen Freunden das »Lied von Klein Zack«, verliert sich aber während seines Vortrags in Erinnerungen an Stella,
im ersten Akt von Offenbachs Les contes d'Hoffmann.

Alfredo Kraus

1927-1999
Tenor

Alfredo Kraus (* 24. November 1927 in Las Palmas de Gran Canaria; † 10. September 1999 in Madrid) war ein spanischer Sänger und Gesangslehrer. Er galt bis in sein letztes Lebensjahr als der bedeutendste Vertreter des lyrischen Tenorfaches. Darüber hinaus wurde er als engagierter Lehrer der Gesangskunst angesehen. Er war Sohn einer spanischen Mutter und eines österreichischen Vaters.

Alfredo Kraus begann seine musikalische „Laufbahn“ bereits im Alter von vier Jahren mit Klavierunterricht und sang mit acht Jahren im Schulchor. Nach einem begonnenen Ingenieurstudium entschloss er sich, die Sängerlaufbahn einzuschlagen. Zunächst studierte er in seiner spanischen Heimat, ehe er seine Ausbildung bei der bekannten spanischen Sängerin und Gesangspädagogin Mercedes Llopart in Mailand abschloss. Im Jahr 1958 hatte Kraus sein Bühnendebüt in Kairo als der Herzog in „Rigoletto“, der eine seiner charakteristischen Rollen wurde. Im folgenden Jahr sang er in Lissabon den Alfredo in „La Traviata“ an der Seite von Maria Callas, wovon später eine Live-Aufnahme herausgebracht wurde.

Kraus hatte seinen ersten Auftritt im Königlichen Opernhaus in Covent Garden im Jahr 1959 mit der Rolle des Edgardo in „Lucia di Lammermoor“ als Partner von Joan Sutherland. Ebenfalls im Jahr 1959 debütierte er an der Mailänder Scala mit der Rolle des Elvino in „La Sonnambula“. Sein Debüt in den Vereinigten Staaten absolvierte er an der Chicago Lyric Opera (1962). Bald darauf folgte sein Debüt an der Metropolitan Opera als Herzog in „Rigoletto“ (1966).

Kraus wurde ein herausragender Vertreter des lyrischen Tenorfaches mit Rollen wie Werther, Romeo, Faust, Arturo, Elvino, Nemorino und Tonio. Dank seiner profunden Gesangstechnik und des sorgfältigen Haushaltens mit seinen stimmlichen Ressourcen blieb Kraus bis in seine frühen siebziger Jahre im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel auf der Bühne präsent.

Er wurde auch mit seinen Darbietungen von leichterer Musik bekannt, vor allem mit Zarzuelas (einer spanischen Operettenform). Außerdem unterrichtete er an einer privaten Musikschule Gesang und hielt einige „Meisterklassen“ in Italien ab. Im Jahr 1991 erhielt Alfredo Kraus den Preis des Prinzen von Asturien.

Ende der 1950er Jahre bis Anfang der 60er wirkte er – auch begünstigt durch sein blendendes Aussehen – in einigen spanischen Kinofilmen mit, so etwa 1959 in „Gayarre“, einem Film über das Leben des weltberühmten spanischen Tenors Francesco Gayarre.

Dank seiner bewundernswerten Technik und seines außerordentlich verfeinerten Musikertums sowie einer scheinbar mühelosen Höhe (er war einer der wenigen Tenöre, die das hohe D im bekannten Duett „Vieni fra queste braccia“ aus Bellinis Oper „I Puritani“ erreichten und das Werk daher in Originaltonlage sangen) betrachten viele Opernkenner und Gesangsfachleute ihn als einen der besten Tenöre des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Tenore di grazia ist er neben Tito Schipa unerreicht geblieben. Mehrere Interviews mit Alfredo Kraus weisen ihn aus als einen intelligenten Mann mit einer wohldurchdachten künstlerischen Auswahl seiner Rollen, einer bewundernswert kultivierten musikalischen Erziehung und einem hohen Respekt für den von ihm gewählten Beruf, die ihn veranlassten, die höchste Priorität auf die Integrität seiner künstlerischen Darbietung eines Stücks zu legen und nicht seinen beachtlichen Stimmumfang oder seine eindrucksvolle Technik herauszukehren.

Die Perfektion seiner Technik und die aparte Schönheit seiner Stimme sind auf zahlreichen Tondokumenten erhalten, die zum Schönsten und Besten gehören, welches im Lauf der Aufnahmegeschichte großer Gesangskunst aufgenommen wurde, wie zahlreiche Stimmexperten und Kritiker einhellig äußerten (so Jürgen Kesting, John Steane und viele andere) . Sein leicht nasal-verhangenes Timbre prädestinierte ihn besonders für die Rollen seines französischen Repertoires. Ein interessantes Detail in der Karriere des Künstlers bildet die Tatsache, dass ihm die großen Schallplattenfirmen lange Zeit wenig Möglichkeiten boten, seine Stimme einem breiteren Publikum darzubieten. Eine Nebenerscheinung dieser Firmenpolitik war die Tatsache, dass wohl von keinem anderen Operntenor der vergangenen Jahrzehnte derartig viele Live-Aufnahmen auf dem „grauen“ Schallplattenmarkt erschienen sind. Er selbst gründete Anfang der 1960er Jahre in Spanien eine eigene Plattenfirma („Carillon“). Dadurch war es ihm möglich, einige Recitals einzuspielen, die seine einmalige Stellung unter den lyrischen Tenören seiner Zeit untermauerten. Seine elegant-aristokratische Bühnenerscheinung, welche in vollkommener Harmonie zu seinem Gesangsstil stand, inspirierte viele Kritiker, in ihm den „letzten Grandseigneur“ der Opernwelt zu sehen.

Weitere Aufnahmen von Alfredo Kraus